Führerschein aus Russland, Kasachstan und anderen GUS-Staaten umschreiben: Was du wissen musst
Viele Spätaussiedler und Zugezogene haben Führerscheine aus Russland, Kasachstan oder anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Hier erfährst du, wie die Umschreibung abläuft und worauf du achten solltest.
Das Wichtigste in Kürze
Nach Begründung des Wohnsitzes darfst du sechs Monate mit dem ausländischen Führerschein fahren.
Ob Prüfungen nötig sind, hängt davon ab, ob und für welche Klassen der Staat in Anlage 11 FeV steht.
Du brauchst in der Regel eine Übersetzung des Führerscheins.
Die Frist
Mit deinem Führerschein darfst du nach der Begründung deines ordentlichen Wohnsitzes in Deutschland sechs Monate fahren (§ 29 FeV). Danach brauchst du einen deutschen Führerschein. Stell den Antrag frühzeitig.
Prüfung ja oder nein?
Ob dein Ausstellungsstaat in Anlage 11 FeV aufgeführt ist und für welche Klassen, prüfst du in der aktuellen Fassung der Fahrerlaubnis-Verordnung oder fragst bei deiner Führerscheinstelle nach. Russland und Kasachstan sind nach der aktuellen Fassung (Stand Oktober 2026) nicht in Anlage 11 aufgeführt. Steht der Staat nicht in Anlage 11, sind in der Regel Theorie- und Praxisprüfung nötig.
Unterlagen
Typischerweise brauchst du:
Antrag auf Umschreibung
Pass oder Aufenthaltstitel und Meldebescheinigung
ausländischen Führerschein im Original
Übersetzung des Führerscheins
Sehtest und biometrisches Passbild
je nach Fall Erste-Hilfe-Nachweis
unter Umständen eine Bestätigung der Fahrerlaubnis aus dem Ausstellungsstaat
Echtheit und Bestätigung
Die Führerscheinstelle prüft die Echtheit des Führerscheins. In manchen Fällen fragt sie beim Ausstellungsstaat nach oder verlangt eine Bestätigung über die Fahrerlaubnis. Das kann die Bearbeitung verlängern.
Führerscheine im internationalen Format
Russland, Kasachstan und mehrere andere GUS-Staaten stellen Führerscheine im Kartenformat aus, das sich am Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr orientiert. Diese Karten enthalten lateinische Umschrift, Klassenangaben und Gültigkeitsdaten, was die Prüfung bei der Behörde deutlich erleichtert.
Ältere Führerscheine im Heftformat aus sowjetischer Zeit sind teilweise noch im Umlauf. Sie können ebenfalls umgeschrieben werden, solange sie gültig sind. Die Zuordnung der Klassen ist dann aber aufwendiger, und die Behörde fragt häufiger nach.
Besondere Klassen wie M, Tm und Tb
In Russland und einigen Nachbarstaaten gibt es Klassen, die es in Deutschland nicht gibt. Dazu gehören M für Mopeds und leichte Vierräder sowie Tm und Tb für Straßenbahnen und Oberleitungsbusse. Diese Klassen werden bei der Umschreibung nicht übertragen oder nur einer vergleichbaren deutschen Klasse zugeordnet.
Wichtig für dich: Prüfe vor dem Antrag, welche Klassen auf deinem Führerschein stehen und welche du in Deutschland wirklich brauchst. Wer etwa beruflich Lkw fahren möchte, braucht für die Klassen C und CE in der Regel zusätzliche Nachweise und Prüfungen.
Sanktionen und Bestätigungen
Durch die aktuelle politische Lage kann es schwieriger sein, Bestätigungen aus Russland oder Belarus zu bekommen. Konsulate arbeiten teilweise eingeschränkt, und der Postweg dauert länger.
Frag bei deiner Führerscheinstelle nach, welche Nachweise sie in deinem Fall akzeptiert. Manchmal reicht die Echtheitsprüfung des Dokuments durch die Behörde selbst. Bring zusätzlich alles mit, was deine Fahrerlaubnis belegt, zum Beispiel alte Fahrschulbescheinigungen.
Theorie auf Russisch
Die Theorieprüfung kannst du in Deutschland auf Russisch ablegen. Das ist für viele Menschen aus Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan oder Russland eine große Hilfe. Die meisten Lern-Apps bieten den Fragenkatalog ebenfalls auf Russisch an.
Trotzdem lohnt es sich, die deutschen Fachbegriffe zu kennen. Die praktische Prüfung findet auf Deutsch statt, und der Prüfer gibt Anweisungen wie „an der nächsten Kreuzung rechts“ oder „bitte rückwärts einparken“.
Spätaussiedler und lange Aufenthalte
Viele Menschen aus Kasachstan oder Russland sind als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. Für sie gelten bei der Umschreibung grundsätzlich dieselben Regeln wie für alle anderen. Wer die Sechs-Monats-Frist verpasst hat, braucht trotzdem keine komplette Ausbildung, sondern legt die Prüfungen ab.
Auch wer schon lange in Deutschland lebt und den Führerschein nie umgeschrieben hat, kann das nachholen. Die Fahrerlaubnis aus dem Herkunftsland zählt dann als Nachweis der Fahrpraxis.
Namen in lateinischer Schrift
Bei kyrillischen Namen gibt es oft mehrere mögliche Schreibweisen. Im Führerschein steht vielleicht eine andere Umschrift als im deutschen Pass oder Aufenthaltstitel. Das führt bei der Behörde schnell zu Rückfragen.
Achte deshalb darauf, dass die Übersetzung die Schreibweise aus deinem deutschen Dokument übernimmt und die Originalschreibweise ergänzt. Bei Namensänderungen nach einer Heirat bring die Heiratsurkunde mit.
Beispiel aus der Praxis
Sergej kommt aus Almaty und lebt seit drei Monaten in Herne. Sein kasachischer Führerschein im Kartenformat enthält die Klassen B und C. Er lässt ihn übersetzen, legt die Theorie auf Russisch ab und besteht die praktische Prüfung für Klasse B. Für Klasse C informiert er sich gesondert, weil er dafür zusätzliche Nachweise braucht.
Unser Rat
Starte die Umschreibung früh und bring alle Nachweise mit, die du hast.
Häufige Fragen
Kann ich die Theorieprüfung in meiner Sprache machen?
Die Prüfung wird in vielen Sprachen angeboten. Frag bei deiner Fahrschule nach.
Tipp: Fahrschulpapiere sammelt deine Unterlagen für die Umschreibung, organisiert die Übersetzung und füllt den Antrag deiner Führerscheinstelle aus.
Stand: Oktober 2026, ohne Gewähr. Dieser Ratgeber beschreibt die allgemeine Rechtslage und den üblichen Ablauf. Maßgeblich sind immer die aktuellen Vorschriften und die Angaben deiner Führerscheinstelle.
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