B96: Anhängerkombinationen bis 4.250 kg ohne Prüfung
Viele Gespanne aus SUV und Wohnwagen liegen knapp über 3.500 kg. Für sie ist B96 eine einfache Lösung.
Das Wichtigste in Kürze
B96 erlaubt Kombinationen aus Pkw und Anhänger bis 4.250 kg zulässiger Gesamtmasse.
Statt einer Prüfung gibt es eine Fahrerschulung in Theorie und Praxis.
B96 ist eine Schlüsselzahl zur Klasse B und gilt EU-weit.
Was erlaubt B96?
Mit der Schlüsselzahl 96 darfst du Kombinationen fahren, bei denen der Anhänger schwerer als 750 kg ist und die Gesamtmasse von Zugfahrzeug und Anhänger mehr als 3.500 kg, aber höchstens 4.250 kg beträgt.
Die Schulung
Die Schulung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Vorgeschrieben sind 2,5 Stunden Theorie und 3,5 Stunden Praxis. Es gibt keine Prüfung. Nach der Schulung beantragst du die Eintragung bei der Führerscheinstelle.
Voraussetzungen
Du brauchst die Klasse B. Weitere Nachweise wie Erste Hilfe oder Sehtest sind in der Regel nicht nötig, weil sie schon für Klasse B vorgelegt wurden.
Grenzen von B96
Für Kombinationen über 4.250 kg brauchst du Klasse BE. Die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs darf nie überschritten werden.
Wann B96 die richtige Wahl ist
B96 lohnt sich, wenn deine Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger mehr als 3.500 kg, aber höchstens 4.250 kg zulässige Gesamtmasse hat. Typische Fälle sind kleinere Wohnwagen, Pferdeanhänger oder Bootstrailer an einem mittelgroßen Auto. Wer schwerere Gespanne fahren möchte, braucht Klasse BE.
Ablauf der Schulung
Die Schulung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Inhalte sind unter anderem Fahrphysik, Beladung, Ankuppeln und Rangieren. Am Ende gibt es keine Prüfung, sondern eine Teilnahmebescheinigung. Damit beantragst du bei der Führerscheinstelle die Eintragung der Schlüsselzahl 96.
Rechnen mit Gewichten
Entscheidend ist die Summe der zulässigen Gesamtmassen, nicht das tatsächliche Gewicht. Ein Auto mit 2.200 kg und ein Anhänger mit 1.800 kg ergeben zusammen 4.000 kg – dafür reicht B96. Wichtig ist außerdem, dass die Anhängelast deines Autos ausreicht. Beide Werte findest du in den Zulassungspapieren.
Vorteile gegenüber BE
B96 ist schneller und günstiger als BE, weil es keine Prüfung gibt. Wer schon weiß, dass das Gespann unter 4.250 kg bleibt, spart sich so Zeit. Wer aber später möglicherweise einen größeren Anhänger kauft, sollte gleich über BE nachdenken.
Beispiel aus der Praxis
Sandra hat zwei Pferde und kauft einen Anhänger mit 2.000 kg zulässiger Gesamtmasse. Ihr Auto hat 2.100 kg. Zusammen sind das 4.100 kg. Sie macht die B96-Schulung an einem Wochenende und lässt die Schlüsselzahl eintragen.
Checkliste B96
Gesamtmasse der Kombination berechnen
Anhängelast prüfen
Schulung in einer Fahrschule
Teilnahmebescheinigung
Eintragung bei der Führerscheinstelle
Ladungssicherung und Gespannstabilität
Auch ohne Prüfung trägt der Fahrer die volle Verantwortung für das Gespann. Ladung muss gegen Verrutschen gesichert sein, etwa mit Spanngurten oder Netzen. Beim Wohnwagen gehören schwere Dinge möglichst nah über die Achse. Ein Anhänger, der hinten zu schwer beladen ist, neigt zum Schlingern. Wenn das passiert: nicht gegenlenken, sondern kräftig bremsen und das Gespann gerade halten. Ein Fahrsicherheitstraining für Gespanne kann helfen, solche Situationen zu üben.
Vorbereitung auf die erste Fahrt
Vor der ersten Fahrt mit dem neuen Gespann solltest du dich in Ruhe mit allem vertraut machen. Stell die Außenspiegel neu ein, denn mit Wohnwagen brauchst du oft Zusatzspiegel. Prüfe den Reifendruck an Auto und Anhänger, die Beleuchtung und die Kupplung. Fahr die erste Strecke ohne Zeitdruck und übe auf einem großen Parkplatz das Rangieren.
Unterschied zur Schlüsselzahl 96 im alten Führerschein
Wer einen alten Führerschein der Klasse 3 hat, darf oft schon schwerere Anhänger ziehen, ohne B96 oder BE zu machen. Das hängt vom Ausstellungsdatum und den eingetragenen Klassen ab. Beim Umtausch werden diese Rechte in Form von Klassen und Schlüsselzahlen übertragen. Prüfe deshalb, was du schon fahren darfst, bevor du eine Schulung buchst.
Anhängerkupplung nachrüsten
Viele Autos können ab Werk keinen Anhänger ziehen, lassen sich aber nachrüsten. Die zulässige Anhängelast steht in den Fahrzeugpapieren. Bei einer Nachrüstung muss die Kupplung je nach Modell eingetragen werden. Eine Fachwerkstatt berät dich dazu.
Häufige Missverständnisse
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass B96 die Anhängelast des Autos erhöht. Das stimmt nicht: Die Anhängelast in den Fahrzeugpapieren bleibt immer die Obergrenze. Ein weiterer Irrtum: B96 erlaube Anhänger über 3.500 kg. Auch das ist falsch – der Anhänger darf höchstens 3.500 kg wiegen, und die gesamte Kombination höchstens 4.250 kg. Wer diese Werte überschreitet, braucht Klasse BE.
Beispielrechnung, die nicht passt
Ein SUV mit 2.500 kg und ein Wohnwagen mit 2.000 kg ergeben zusammen 4.500 kg. Das liegt über 4.250 kg – B96 reicht hier nicht, nötig ist Klasse BE. Rechne deshalb immer mit den Werten aus den Papieren und nicht mit Schätzungen.
Häufige Fragen
Kostet die Eintragung extra?
Ja, die Führerscheinstelle erhebt eine Gebühr und stellt einen neuen Führerschein aus.
Tipp: Fahrschulpapiere sammelt für jede Klasse Erste-Hilfe-Nachweis, Sehtest bzw. ärztliche Nachweise und Passbild und füllt den Antrag deiner Führerscheinstelle aus – ein Service der JP Fahrschule.
Stand: Oktober 2026, ohne Gewähr. Dieser Ratgeber beschreibt die allgemeine Rechtslage und den üblichen Ablauf. Maßgeblich sind immer die aktuellen Vorschriften und die Angaben deiner Führerscheinstelle.
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