Knochenbrüche und Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung: Erste Hilfe nach Unfällen
Bei Verkehrsunfällen wirken große Kräfte auf den Körper. Arm- und Beinbrüche, aber auch Verletzungen der Wirbelsäule sind möglich. Als Ersthelfer musst du keinen Bruch diagnostizieren – du musst nur wissen, wie du die verletzte Person schützt.
Das Wichtigste in Kürze
Bei Verdacht auf Knochenbrüche: so wenig bewegen wie möglich und ruhigstellen.
Bewusstlose mit normaler Atmung kommen trotzdem in die stabile Seitenlage – freie Atemwege haben Vorrang.
Offene Brüche keimfrei abdecken und nicht einrenken.
Woran erkenne ich einen Bruch?
Hinweise auf einen Knochenbruch sind zum Beispiel starke Schmerzen, eine Schwellung, eine unnatürliche Stellung oder Beweglichkeit und die Unfähigkeit, Arm oder Bein zu belasten. Bei einem offenen Bruch ist eine Wunde zu sehen, manchmal auch ein Knochenstück. Im Zweifel gehst du immer von einem Bruch aus.
Was du tun kannst
Lass die verletzte Person in der Position, die für sie am angenehmsten ist.
Stelle den verletzten Körperteil ruhig, zum Beispiel mit zusammengerollten Jacken oder Decken.
Bei offenen Brüchen deckst du die Wunde keimfrei mit Verbandmaterial ab.
Versuche nie, einen Bruch einzurenken.
Setze den Notruf ab und betreue die Person, bis der Rettungsdienst kommt.
Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung
Klagt die Person über Rücken- oder Nackenschmerzen, Kribbeln oder Gefühllosigkeit in Armen oder Beinen, kann die Wirbelsäule verletzt sein. Bitte sie, sich nicht zu bewegen, und stabilisiere den Kopf mit den Händen, wenn du kannst. Ist die Person bewusstlos, gilt aber: Sind die Atemwege in Gefahr, hat die stabile Seitenlage Vorrang. Wer erstickt, kann nicht mehr gerettet werden – eine vorsichtige Lagerung ist das kleinere Risiko.
Aus dem Auto retten?
Eingeklemmte oder verletzte Personen bleiben im Fahrzeug, solange keine akute Gefahr besteht, etwa durch Feuer oder vorbeifahrenden Verkehr. Die Feuerwehr hat Werkzeug und Technik für eine schonende Rettung. Droht unmittelbare Gefahr, darfst und solltest du die Person aus dem Fahrzeug holen, zum Beispiel mit dem Rautek-Rettungsgriff, den du im Kurs lernst.
Typische Verletzungsmuster bei Verkehrsunfällen
Bei Auffahrunfällen sind Verletzungen der Halswirbelsäule häufig, umgangssprachlich als Schleudertrauma bekannt. Die Beschwerden treten manchmal erst Stunden später auf. Bei Frontalzusammenstößen sind Knie, Hüften und Brustkorb gefährdet, weil der Körper gegen Armaturenbrett oder Lenkrad prallt. Radfahrer und Motorradfahrer verletzen sich oft an Handgelenken, Schlüsselbein und Schultern, weil sie versuchen, den Sturz abzufangen.
Wenn du diese Muster kennst, kannst du gezielt nachfragen: „Tut Ihnen der Nacken weh? Können Sie die Hände bewegen?“ So bekommst du schnell ein Bild, worauf der Rettungsdienst achten muss.
Offene Brüche
Ein offener Bruch ist eine Fraktur, bei der die Haut verletzt ist – manchmal ist sogar der Knochen sichtbar. Hier geht es vor allem darum, die Wunde keimfrei abzudecken und eine Blutung zu stillen. Drück dabei nicht direkt auf den Knochen. Polstere stattdessen um die Wunde herum und decke sie mit einer sterilen Kompresse oder einem Verbandtuch ab.
Versuche niemals, einen Knochen zurückzuschieben oder einen Bruch einzurenken. Die betroffene Stelle sollte so wenig wie möglich bewegt werden.
Ruhigstellen mit einfachen Mitteln
Bis der Rettungsdienst kommt, kannst du verletzte Gliedmaßen in der vorgefundenen Position ruhigstellen. Dafür eignen sich zusammengerollte Decken, Jacken oder Kleidungsstücke, die du links und rechts des verletzten Körperteils platzierst. Ein verletzter Arm kann oft mit einem Dreiecktuch aus dem Verbandkasten in einer Schlinge gestützt werden – aber nur, wenn die Person das als angenehm empfindet.
Schienen anzulegen ist für Laien nicht vorgesehen. Wichtig ist vor allem, dass der Bruch nicht zusätzlich belastet wird.
Kopfverletzungen nicht unterschätzen
Nach einem Unfall mit Kopfanprall kann eine Gehirnerschütterung oder eine Blutung im Kopf vorliegen, auch wenn die Person zunächst wach und ansprechbar ist. Warnzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen, unterschiedlich große Pupillen oder zunehmende Müdigkeit. Lass die Person nicht weiterfahren, bleib bei ihr und informiere den Rettungsdienst. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung kommt die stabile Seitenlage zum Einsatz.
Checkliste: Verdacht auf Bruch
Verletzte Stelle nicht bewegen
In vorgefundener Lage polstern und stützen
Offene Wunden keimfrei abdecken
Kühlen, wenn es die Person als angenehm empfindet
Auf Schockzeichen achten
Notruf 112 und bei der Person bleiben
Warum Laien nicht einrenken
Ein verschobener Bruch sieht oft dramatisch aus. Trotzdem gilt: Nicht ziehen, nicht drehen, nicht einrenken. Dabei können Nerven und Gefäße verletzt werden. Der Rettungsdienst hat Schienen und Schmerzmittel und kann die Verletzung schonend versorgen.
Häufige Fragen
Darf ich eine verletzte Person bewegen?
Nur, wenn es nötig ist – zum Beispiel bei akuter Gefahr oder um die Atemwege freizuhalten.
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