Notruf 112 richtig absetzen: Die W-Fragen einfach erklärt
Ein guter Notruf ist der Startpunkt der Rettungskette. Je genauer die Leitstelle weiß, was passiert ist, desto schneller kommt die richtige Hilfe. Viele Menschen sind am Telefon aufgeregt und vergessen wichtige Angaben. Mit den W-Fragen im Kopf bist du vorbereitet.
Das Wichtigste in Kürze
Die 112 erreichst du europaweit kostenlos, auch ohne Guthaben.
Die Leitstelle stellt die Fragen – du musst nur ruhig antworten.
Nicht auflegen, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet.
112 oder 110 – wen rufe ich an?
Die 112 erreicht Feuerwehr und Rettungsdienst. Sie gilt in ganz Deutschland und in allen EU-Staaten. Die 110 ist die Nummer der Polizei. Bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten wählst du die 112 – die Leitstelle informiert bei Bedarf die Polizei.
Bei einem Unfall nur mit Blechschaden und ohne Verletzte reicht in der Regel die 110, wenn du die Polizei brauchst. Im Zweifel gilt: lieber einmal mehr anrufen als einmal zu wenig.
Die W-Fragen
Früher hat man die W-Fragen auswendig gelernt. Heute führen die Leitstellen aktiv durch das Gespräch. Trotzdem hilft es, die Punkte zu kennen:
Wo ist es passiert? Ort, Straße, Hausnummer, auf der Autobahn Fahrtrichtung und nächste Ausfahrt oder Kilometerangabe.
Was ist passiert? Zum Beispiel Auffahrunfall, Motorradsturz, Person eingeklemmt.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Welche Verletzungen oder Gefahren gibt es? Bewusstlosigkeit, starke Blutung, Feuer, auslaufender Kraftstoff.
Warten auf Rückfragen.
So findest du deinen Standort
Gerade auf Landstraßen und Autobahnen wissen viele nicht genau, wo sie sind. Diese Hilfen gibt es:
Die kleinen Kilometerschilder am Fahrbahnrand und auf Leitpfosten.
Die letzte Ausfahrt oder das letzte Autobahnkreuz.
Die Standortfunktion deines Smartphones.
Neuere Autos haben das automatische Notrufsystem eCall, das bei schweren Unfällen den Standort an die Leitstelle sendet.
Nach dem Anruf
Leg erst auf, wenn die Leitstelle es sagt. Häufig bekommst du jetzt Anweisungen, zum Beispiel zur Herzdruckmassage. Schalte dafür den Lautsprecher ein, damit du die Hände frei hast.
Schick, wenn möglich, eine Person zur Straße, die den Rettungsdienst einweist. Das spart wertvolle Sekunden, vor allem in unübersichtlichen Wohngebieten oder auf Firmengeländen.
Notruf mit dem Handy: Was technisch passiert
Die 112 funktioniert in ganz Europa kostenlos und auch ohne Guthaben. Wenn dein eigenes Netz nicht verfügbar ist, kann sich dein Handy für den Notruf in ein anderes Netz einwählen. Viele Smartphones übermitteln beim Notruf automatisch den Standort an die Leitstelle (Advanced Mobile Location, kurz AML). Das ersetzt aber nicht deine eigene Ortsangabe – sag trotzdem, wo du bist, so genau du kannst.
Praktisch: Bei den meisten Smartphones kannst du den Notruf auch aus dem Sperrbildschirm starten. Schau dir am besten einmal in Ruhe an, wo diese Funktion bei deinem Gerät zu finden ist. Im Ernstfall musst du dann nicht suchen.
eCall im Auto
Neue Pkw-Modelle, die seit 2018 in der EU zugelassen werden, haben den automatischen Notruf eCall an Bord. Nach einem schweren Unfall, zum Beispiel wenn der Airbag auslöst, baut das Fahrzeug selbstständig eine Verbindung zur 112 auf und übermittelt Standort, Uhrzeit und Fahrtrichtung. Bei vielen Fahrzeugen gibt es außerdem eine SOS-Taste, mit der du den Notruf manuell auslösen kannst – etwa wenn du einen Unfall beobachtest.
Auch mit eCall gilt: Wenn du sprechen kannst, beantworte die Fragen der Leitstelle. Die Sprachverbindung über das Auto ist genauso ein Notruf wie der Anruf mit dem Handy.
Notruf, wenn Sprechen schwierig ist
Für Menschen, die nicht oder nur schwer telefonieren können – etwa bei Hörbehinderung – gibt es in Deutschland die offizielle Notruf-App nora. Mit ihr kannst du Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei per App erreichen, der Standort wird übermittelt und die Kommunikation läuft per Chat. Die App muss vorher installiert und registriert werden.
Wenn du in einer Situation bist, in der du nicht laut sprechen kannst, bleib trotzdem in der Leitung. Die Leitstelle versucht dann, mit gezielten Ja-Nein-Fragen weiterzukommen.
Typische Fehler beim Notruf
Der häufigste Fehler: zu früh auflegen. Die Leitstelle beendet das Gespräch, nicht du. Oft bekommst du am Telefon noch wichtige Anweisungen, zum Beispiel zur Herzdruckmassage. Ein zweiter Fehler ist Hektik: Wer sehr schnell und durcheinander spricht, braucht am Ende länger. Atme kurz durch und beantworte eine Frage nach der anderen.
Denk außerdem daran, das Telefon nach dem Notruf frei zu halten. Es kann sein, dass die Leitstelle zurückruft.
Häufige Fragen
Kostet ein Notruf etwas?
Nein. Der Notruf 112 ist kostenlos und funktioniert auch aus Netzen anderer Anbieter und ohne Guthaben.
Was passiert, wenn ich mich nicht genau erinnere, wo ich bin?
Beschreibe, was du siehst: Ortsschilder, Tankstellen, Brücken, Fahrtrichtung. Die Leitstelle kann den Ort oft auch über die Mobilfunkdaten eingrenzen.
Lerne ich das im Erste-Hilfe-Kurs?
Ja. Das Absetzen eines Notrufs ist fester Bestandteil des Erste-Hilfe-Kurses für den Führerschein.
Darf ich auch bei kleinen Unfällen die 112 wählen?
Ja, wenn Menschen verletzt sein könnten. Bei reinem Blechschaden ohne Verletzte ist die Polizei unter 110 der richtige Ansprechpartner.
Funktioniert die 112 auch im Ausland?
In allen EU-Staaten ist die 112 die einheitliche Notrufnummer. In vielen anderen Ländern wird die 112 auf die örtliche Notrufnummer umgeleitet – informiere dich vor Reisen trotzdem.
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