Herzdruckmassage und Wiederbelebung: So rettest du Leben
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand wird das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Schon nach wenigen Minuten drohen bleibende Schäden. Bis der Rettungsdienst da ist, kannst nur du als Ersthelfer die Zeit überbrücken. Die gute Nachricht: Wiederbelebung ist einfacher, als viele denken.
Das Wichtigste in Kürze
Keine normale Atmung = sofort Notruf 112 und Herzdruckmassage.
Fest und schnell drücken: in der Mitte der Brust, etwa 5–6 cm tief, 100–120 Mal pro Minute.
Ist ein Defibrillator (AED) in der Nähe, nutze ihn – das Gerät sagt dir, was zu tun ist.
Prüfen: Atmet die Person normal?
Sprich die Person laut an und rüttle sanft an den Schultern. Reagiert sie nicht, mach die Atemwege frei, indem du den Kopf nach hinten neigst und das Kinn anhebst. Dann prüfst du höchstens 10 Sekunden lang, ob sie normal atmet.
Vorsicht: Schnappatmung – einzelne, unregelmäßige Atemzüge – ist keine normale Atmung. Auch dann musst du sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Rufen: Notruf 112
Wähle die 112 oder lass eine andere Person anrufen. Schalte den Lautsprecher ein, damit dich die Leitstelle anleiten kann. Wenn weitere Helfer da sind, schick jemanden los, um einen Defibrillator (AED) zu holen. Viele Geräte hängen in Bahnhöfen, Einkaufszentren, Sporthallen und Behörden.
Drücken: Die Herzdruckmassage
Knie dich neben die Person, die auf einem harten Untergrund auf dem Rücken liegt.
Leg den Handballen auf die Mitte der Brust, die zweite Hand darauf.
Drück mit gestreckten Armen senkrecht etwa 5 bis 6 cm tief.
Halte ein Tempo von 100 bis 120 Mal pro Minute.
Wer es gelernt hat, beatmet nach 30 Kompressionen zweimal. Wenn du dir die Beatmung nicht zutraust, drück ohne Pause weiter.
Wechsle dich mit anderen Helfern ab, wenn möglich alle zwei Minuten. Herzdruckmassage ist anstrengend, und die Qualität lässt sonst schnell nach.
Defibrillator: keine Angst vor dem Gerät
Ein AED analysiert den Herzrhythmus selbstständig und gibt nur dann einen Schock ab, wenn er nötig ist. Nach dem Einschalten sagt dir das Gerät per Sprachansage jeden Schritt. Kleb die Elektroden auf die freie Brust, wie auf den Bildern gezeigt, und folge den Anweisungen. Während der Analyse und des Schocks berührt niemand die Person. Danach geht es sofort mit der Herzdruckmassage weiter.
Herzdruckmassage bei Kindern
Bei Kindern ist ein Kreislaufstillstand meist die Folge eines Atemproblems, etwa nach Ertrinken oder Verschlucken. Deshalb wird bei Kindern empfohlen, zuerst fünf Atemspenden zu geben und dann mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Drück das Brustbein etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe ein – bei kleinen Kindern mit einer Hand, bei Säuglingen mit zwei Fingern. Das Tempo bleibt gleich: 100 bis 120 Mal pro Minute.
Die wichtigste Botschaft lautet aber: Wer sich unsicher ist, macht es einfach so wie bei Erwachsenen. Jede Herzdruckmassage ist besser als keine.
Atemspende: Muss ich beatmen?
Im Erste-Hilfe-Kurs lernst du das Verhältnis 30 zu 2: 30 Mal drücken, zweimal beatmen. Wenn du dich nicht traust oder keine Beatmungsmaske hast, ist das kein Grund aufzuhören. Dann drückst du ohne Pause weiter. Bei Erwachsenen ist in den ersten Minuten meist noch genügend Sauerstoff im Blut – entscheidend ist, dass er durch die Herzdruckmassage zu Gehirn und Herz transportiert wird.
Im neueren Verbandkasten nach DIN 13164 sind auch Mund-Nasen-Masken enthalten. Eine Beatmungsmaske oder ein Beatmungstuch kannst du zusätzlich ins Handschuhfach legen.
Mit mehreren Helfern wiederbeleben
Herzdruckmassage ist anstrengend. Nach zwei Minuten lässt die Kraft bei den meisten Menschen nach, und die Drucktiefe wird geringer. Sind mehrere Helfer vor Ort, wechselt euch etwa alle zwei Minuten ab, möglichst ohne lange Unterbrechung. Eine Person kann zählen und den Wechsel ansagen.
Während einer drückt, kann ein anderer den Defibrillator holen und vorbereiten. Sobald das Gerät da ist, werden die Elektroden aufgeklebt, während die Herzdruckmassage weiterläuft. Gedrückt wird nur dann nicht, wenn das Gerät analysiert oder einen Schock abgibt.
Wo finde ich einen Defibrillator?
Öffentlich zugängliche Defibrillatoren (AED) hängen zum Beispiel in Bahnhöfen, Einkaufszentren, Behörden, Sportstätten und Banken. Sie sind an einem grünen Schild mit Herz und Blitz erkennbar. Es gibt Apps und Online-Karten, die Standorte anzeigen. Auch die Leitstelle kann dir am Telefon sagen, ob in der Nähe ein Gerät verfügbar ist.
Nach der Wiederbelebung
Eine Wiederbelebung ist für Helfer eine extreme Situation. Egal wie sie ausgeht: Du hast das Richtige getan, wenn du gehandelt hast. Viele Rettungsdienste und Hilfsorganisationen bieten Gespräche für Ersthelfer an, und auch dein Hausarzt ist ein guter Ansprechpartner, wenn dich die Erlebnisse nicht loslassen.
Häufige Fragen
Kann ich bei der Herzdruckmassage Rippen brechen?
Das kann passieren. Ein Rippenbruch ist aber im Vergleich zu einem Herzstillstand das deutlich kleinere Problem. Hör deshalb nicht auf.
Wie lange muss ich drücken?
Bis der Rettungsdienst übernimmt, die Person wieder normal atmet oder du körperlich nicht mehr kannst.
Dann hörst du mit der Herzdruckmassage auf, bringst die Person in die stabile Seitenlage und kontrollierst die Atmung regelmäßig, bis der Rettungsdienst da ist.
Kann ich mit dem Defibrillator jemandem schaden?
Ein AED gibt nur dann einen Schock ab, wenn er einen behandelbaren Herzrhythmus erkennt. Wichtig ist nur, dass während des Schocks niemand die Person berührt – das Gerät sagt dir das an.
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