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Erste Hilfe bei Motorradunfällen: Helm ab – ja oder nein?

Motorradunfälle sehen oft dramatisch aus, und viele Ersthelfer zögern. Besonders beim Helm herrscht Unsicherheit: Darf ich ihn abnehmen? Mache ich dann alles schlimmer? Die Antwort ist eindeutig – und sie ist wichtig für alle, die Motorrad fahren oder mit dem Auto unterwegs sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist ein Motorradfahrer bewusstlos, muss der Helm abgenommen werden, damit die Atemwege frei sind.
  • Am besten zu zweit: Eine Person stabilisiert Kopf und Nacken, die andere zieht den Helm ab.
  • Motorradfahrer sind besonders verletzlich – Absichern der Unfallstelle ist hier doppelt wichtig.

Warum der Helm runter muss

Ein bewusstloser Mensch kann an Erbrochenem oder Blut ersticken, weil seine Schutzreflexe fehlen. Mit Helm kannst du weder die Atmung richtig prüfen noch die Atemwege freimachen oder die Person sicher in die stabile Seitenlage bringen. Die Gefahr, durch das Abnehmen die Wirbelsäule zu schädigen, ist bei richtiger Technik gering – die Gefahr zu ersticken dagegen real. Deshalb gilt: Ist der Motorradfahrer nicht ansprechbar, nimm den Helm ab.

So nimmst du den Helm ab

  1. Knie dich hinter den Kopf der Person. Ein zweiter Helfer kniet seitlich.
  2. Öffne das Visier und, falls vorhanden, die Brille vorsichtig.
  3. Der zweite Helfer öffnet den Kinnriemen und stabilisiert mit beiden Händen Unterkiefer und Nacken.
  4. Du ziehst den Helm in Längsrichtung vorsichtig ab, dabei leicht nach hinten kippen, damit die Nase frei kommt.
  5. Der zweite Helfer hält den Kopf weiter stabil, bis du ihn mit den Händen übernimmst.

Bei Klapphelmen öffnest du zuerst den Kinnteil. Wenn du allein bist, gehst du genauso vor – nur langsamer und mit besonderer Vorsicht.

Ansprechbare Motorradfahrer

Ist die Person wach und spricht mit dir, darf sie den Helm selbst abnehmen – oder du lässt ihn erst einmal auf, wenn sie das möchte. Bitte sie, sich nicht zu bewegen, wenn sie über Schmerzen im Rücken oder Nacken klagt, und warte auf den Rettungsdienst. Achte auf Schockzeichen wie Blässe, kalten Schweiß und Unruhe.

Die Unfallstelle bei Motorradunfällen

Gestürzte Motorräder und ihre Fahrer liegen oft mitten auf der Fahrbahn oder hinter einer Kurve. Sichere die Stelle deshalb besonders früh ab und warne den nachfolgenden Verkehr. Auslaufender Kraftstoff ist eine zusätzliche Gefahr – rauche nicht und halte Abstand zu heißen Motorteilen.

Warum Motorradunfälle besonders sind

Motorradfahrer haben keine Knautschzone. Bei einem Unfall wirken die Kräfte direkt auf den Körper. Häufige Folgen sind Verletzungen an Kopf, Brustkorb, Armen und Beinen. Selbst wenn ein Motorradfahrer nach dem Sturz aufsteht und sagt, es gehe ihm gut, können innere Verletzungen vorliegen. Adrenalin überdeckt Schmerzen oft für einige Zeit.

Deshalb gilt: Auch scheinbar leicht Verletzte sollten sich hinsetzen oder hinlegen, bis der Rettungsdienst da ist. Rede mit ihnen, beobachte, ob sich ihr Zustand verändert, und halte sie warm.

Schutzkleidung: anlassen oder ausziehen?

Moderne Motorradkleidung hat Protektoren an Schultern, Ellbogen, Rücken und Knien. Sie schützt nicht nur beim Sturz, sondern hält auch warm. Grundsätzlich bleibt die Kleidung an. Öffnen solltest du sie nur, wenn es für eine Maßnahme nötig ist – etwa um eine stark blutende Wunde zu versorgen oder bei einem Kreislaufstillstand mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Den Reißverschluss einer Jacke kannst du dafür öffnen, ohne die Person großartig zu bewegen.

Rückenprotektoren musst du für die Herzdruckmassage nicht entfernen, da sie auf dem Rücken liegen. Wichtig ist eine feste Unterlage.

Moderne Helme und Notfallsysteme

Einige Helme haben Wangenpolster, die sich mit einer Lasche schnell herausziehen lassen. Das erleichtert das Abnehmen. Erkennbar sind solche Systeme oft an einem farbigen Zuglaschen-Symbol. Klapphelme lassen sich vorne öffnen, was den Zugang zu Mund und Nase erleichtert – zum Abnehmen musst du sie in der Regel trotzdem komplett hochklappen.

Manche Motorradfahrer tragen außerdem einen Notfallaufkleber auf dem Helm, der auf medizinische Daten hinweist, oder haben Unfallmeldesysteme am Motorrad bzw. in der Smartphone-App, die automatisch einen Notruf absetzen können.

Motorradfahrer und Erste Hilfe

Wer selbst Motorrad fährt, ist bei Unfällen anderer Biker oft als Erster vor Ort – etwa bei Ausfahrten in der Gruppe. Viele Motorradclubs und Fahrsicherheitszentren bieten deshalb spezielle Erste-Hilfe-Trainings für Motorradfahrer an, in denen das Helmabnehmen und typische Unfallsituationen intensiv geübt werden. Für den Führerschein ist ein solcher Kurs nicht vorgeschrieben, aber eine sinnvolle Ergänzung.

Häufige Fragen

Mache ich mich strafbar, wenn beim Abnehmen etwas passiert?

Wer in guter Absicht nach den Regeln der Ersten Hilfe handelt, muss sich keine Sorgen machen. Strafbar ist, nicht zu helfen.

Lerne ich das Helmabnehmen im Kurs?

Ja. Die Helmabnahme ist Teil des Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein und wird praktisch geübt.

Brauche ich für den Motorradführerschein einen anderen Erste-Hilfe-Kurs?

Nein. Der Kurs mit 9 Unterrichtseinheiten gilt für alle Führerscheinklassen, auch für A1, A2 und A.

Was mache ich, wenn das Motorrad auf der Person liegt?

Wenn es gefahrlos möglich ist, hebst du das Motorrad mit einer zweiten Person vorsichtig an und ziehst es weg. Achte auf heiße Teile wie den Auspuff und auf auslaufenden Kraftstoff.

Darf ich einem Motorradfahrer etwas zu trinken geben?

Nein. Verletzte sollten nichts essen oder trinken, weil eventuell eine Operation nötig ist. Ein feuchtes Tuch für die Lippen ist in Ordnung.

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